Achtsamkeit & Meditation


"Den Puls des eigenen Herzens fühlen.

Ruhe im Innern, Ruhe im Äußern.

Wieder Atem holen lernen,

das ist es."

Christian Morgenstern


Achtsamkeit

Schaut man in den Duden, so findet man unter dem Begriff „achtsam“ folgende zwei Bedeutungen: 1.) aufmerksam, wachsam und 2.) vorsichtig, sorgfältig. Der achtsame Weg ermöglicht somit einen aufmerksamen sowie sorgfältigen und damit zugewandten und friedlichen Umgang mit sich selbst und anderen. Er bezieht alle körperlichen Sinne, aber auch Geist und Atmung ein und bewirkt dadurch eine Veränderung des Bewusstseins.

Ursprünglich ist das Üben von Achtsamkeit eine Praxis der buddhistischen Schulen. Eine zwar an die buddhistische Achtsamkeitslehre angelehnte, aber von der religiös-traditionellen Komponente weitestgehend losgelöste Methode entwickelte der Molekularbiologe Jon Kabat-Zinn in den 1970er Jahren: Mindfulness Based Stress Reduction (MBSR), also Stressbewältigung durch Achtsamkeit. Durch die MBSR-Methode wurde die Achtsamkeit im westlichen Kulturkreis bekannt. MBSR ist mittlerweile wissenschaftlich gut untersucht. Sie wird heute auch im Kontext von Psychotherapie, Medizin und Pädagogik weltweit angewendet und gelehrt.


Nach Jon Kabat-Zinn ist Achtsamkeit „Das Gewahrsein, das entsteht, wenn wir unsere Aufmerksamkeit absichtlich auf den gegenwärtigen Moment richten – ohne zu urteilen."


Achtsamkeit ist somit als umfassende und wache Aufmerksamkeit zu beschreiben – eine Haltung, die vollkommen klar und gegenwärtig ist. Solche Bewusstseinszustände erfahren die meisten Menschen von Zeit zu Zeit, jedoch zumeist nur für kurze Momente. In der Achtsamkeitspraxis werden sie eingeübt und kultiviert.

Im Kern geht es darum, mit allen aufkommenden Gedanken und Gefühlen sowie unserem Körper aufmerksam, annehmend und mitfühlend umzugehen. Das gelingt, wenn keine Bewertungen mehr vorgenommen werden, also nichts vermeintlich Negatives abgelehnt oder vermeintlich Positives festgehalten wird.

Meditation

In vielen Kulturen und Religionen wird die Meditation zur Bewusstseinserweiterung und als spiritueller Weg eingeübt. Dabei werden sowohl aktive als auch passive Formen der Meditation praktiziert. Einige der bekanntesten Meditationsformen sind die Mantra-, Metta-, Vipassana- und Zen-Meditation.

In der Zen-Praxis beispielsweise werden drei Komponenten unterschieden: Zazen, Kinhin und Samu. Zazen ist das "Sitzen in Stille". Dabei wird die Aufmerksamkeit auf den Körper oder den Atem gelenkt und dort gehalten. Durch dieses Gegenwärtigsein, kann das Dasein im Hier und Jetzt erfahren werden. Kinhin ist eine Form der Gehmeditation und damit die Übung des achtsamen Gehens. Samu hingegen bezeichnet das achtsame Arbeiten.

Zentral in der Zen-Meditation ist das Ein- und Ausatmen, das Annehmen und Loslassen. Der Fluss des Atems wird nicht gelenkt, sondern lediglich beobachtet. Aufkommende Gedanken und Gefühle werden wahrgenommen, aber nicht verfolgt. Dies kann tiefe Transformationsprozesse einleiten. Illusionen und Konzepte, die wir von uns selbst und der Welt haben, werden als solche erkannt. Was dann übrig bleibt ist klare Wirklichkeit. Die Zen-Praxis macht diese Wirklichkeit für jeden einzelnen Menschen in der Meditation erfahrbar. Zen hat seine Wurzeln zwar im Buddhismus, ist aber im Grunde an keine Religion oder Philosophie gebunden:


"[...] Zazen ist keine intellektuelle Lehre, keine großartige Philosophie, auch keine Metaphysik [...], sondern es ist die unmittelbare Verkörperung von dem, was ist. Als unmittelbare Verkörperung von dem, was ist, fügt das Zazen dem, was ist nichts hinzu, nimmt ihm auch nichts weg." (Alexander Poraj, Impuls-Video: "Ist Zen die Quintessenz des Buddhismus?", YouTube-Kanal Benediktushof)


Das unverfälschte Sehen wie die Dinge wirklich sind, führt unweigerlich zu entsprechend mitfühlendem und klarem Handeln im Alltag. Es eröffnet ein tiefes Gefühl der Verbundenheit mit allen Wesen, auch mit den Tieren, den Pflanzen und dem Unbelebten. Durch Zazen kann die mystische Erfahrung universeller Einheit und damit die Aufhebung des Subjekt-Objekt-Gegensatzes erlebt werden, was auch als "Erwachen" oder "Erleuchtung" (Kenshō oder Satori) bezeichnet wird. Allerdings ist diese Erfahrung im Zen kein anzustrebendes Ziel. Zen ist vielmehr eine Haltung, ein spiritueller Weg zu mehr Achtsamkeit, Mitgefühl und Menschlichkeit. Zen bedeutet, jeden Augenblick zu (er-)leben.


"Der Mensch ist ein Teil des Ganzen, das wir Universum nennen, ein in Raum und Zeit begrenzter Teil. Er erfährt sich selbst, seine Gedanken und Gefühle als abgetrennt von allem anderen – eine Art optische Täuschung des Bewusstseins. Diese Täuschung ist für uns eine Art Gefängnis, das uns auf unsere eigenen Vorlieben und auf die Zuneigung zu wenigen uns Nahestehenden beschränkt. Unser Ziel muss es sein, uns aus diesem Gefängnis zu befreien, indem wir den Horizont unseres Mitgefühls erweitern, bis er alle lebenden Wesen und die gesamte Natur in all ihrer Schönheit umfasst."

Albert Einstein